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Willkommen an Bord - ina auf der MS Wissenschaft


30.April 2008

ZooBesuch

Herzlich willkommen in POSTECH-Paradise. Riesiges Areal, 1300 (leicht eingeschüchterte) Studenten, ununterbrochen Sonnenschein (der ums Labor einen Bogen macht) und eine gemütliche Wohnheimsiedlung, um Studenten und Professoren möglichst weit weg vorm Downtown-Leben zu bewahren.

Das Hoch dieser Siedlung ist das Haus Nr. 20. Dort leben die englischsprachigen Studis im D.O.G. (Dream of Globalization-Wohnheim) ;-) . In diesem Wohnheim landen für gewöhnlich alle Ausländer. Bezeichnend ist der einzige Mädelgang, auf dem außer mir nur Koreanerinnnen wohnen, die ich zunächst allesamt für Chinesinnen gehalten habe. Ich bin Herrscherin über ein Doppelzimmer und nun auch einen Wäscheständer. Wir haben hier ne Gruppendusche mit rosa Vorhängen, Lounge mit Flach-TV, Waschmaschine und Trockner aufm Gang und ne Art russischer Deschurnaja, ne Frau, die uns unseren Dreck nachräumt.

Jeder Weg übern den Campus gleicht einem Besuch im Zoo. Von Weitem ist man aus der Schar schwarzer Toupets auszumachen, wird auffällig neugierig beäugt, ist schuld an so manchem Ver- kehrsunfall, Beziehungs- krise oder Kindersturz. Im dichten Gedränge auf der Straße oder im Supermarkt hat man den meisten Platz – und erschrickt selbst, wenn ganz überraschend am Milchregal ein zweites europäisches Gesicht auftaucht. Lächelnd begrüßt man sich auf Englisch und schmunzelt über die umzingelnden Zoobesucher. ;-)

28.April 2008

Tausendjähriger Friedhof

Sonntag, tolles Wetter und zur Abwechslung mal ausgeschlafen. Hab mich risikobereit allein auf die Socken nach Gyeongju gemacht. Diese Stadt besitzt wohl mehr Grabmale, Tempel und Ruinen als jede andere Stadt in Korea. Fasziniert bin ich durch die riesigen Grashügel im Tumuli-Park spaziert. Dass das Ganze ein riesiger uralter Friedhof ist, vergisst man bei der leisen Musik aus den versteckten Lautsprechern leicht. Unter jedem Grashügel verbirgt sich ein Grab der Shilla-Dynastie aus dem 5.-7. Jhd., vollgepackt mit Schätzen. Mein Reiseführer schlägt vor: Bitte nicht auf die Hügel klettern und picknicken – machich ja zu Hause aufm Friedhof auch nich.

Das vorletzte Bild ist für Kathrin – musste sofort an ihren Polyeder-Bastelkurs denken. :-)

Allein in Korea unterwegs sein, ist unheimlich spannend. Man wird sofort als Tourist erkannt und bekommt ohne zu fragen Hilfe angeboten, auch wenn man doch gar nicht aufs Klo musste. Doch gerade, wenn man mit leerem Magen und schmerzenden Füßen am Busterminal zum dritten Mal die höfliche Auskunft der Frau am Schalter in einwandfreiem Koreanisch bekommt, warum ich bei ihr kein Rückfahrticket nach Pohang kaufen kann, verlässt einem der Mut. Bloß nich aufgeben! Liebe Grüße aus Pohang, ina :-)

26.April 2008

Samstag ausschlafen?

Nicht an der POSTECH! Die Polymer Physical Chemistry hat Samstag früh Arbeitsgruppenseminar. Einen lieben Gruß an meine Arbeitsgruppe in Chemnitz: mit Euch macht diese Stunde wirklich Spaß. Die Doktoranden hier hingegen stehen sehr unter Druck, tragen jeden Monat ihre Ergebnisse vor und ihren Arbeitsplan für den kommenden Monat. Ich vermute, das Ganze ersetzt die Gespräche mit dem Professor, denn jeder Vortrag wird bis aufs Kleinste durchgekaut (was die Vortragenden wenig glücklich aussehen lässt und alle Kommentare des Profs mit gesenktem Blick geschluckt werden). :-(
Nach 2,5 Stunden AG-Seminar war nun auch ich heute an der Reihe, mein Forschungsthema, meine Uni und mein Heimatland vorzustellen. Besonderes Interesse weckte nicht nur die Tatsache, dass wir hauptsächlich Brot (und keinen Reis) essen und das auch noch salzig sei, sondern das fehlende Tempolimit auf den deutschen Autobahnen. :-D

Die Koreaner allgemein haben eine interessante und sicher nicht ganz gesunde Auffassung von Work-Life-Balance. Nach einem gemeinsamen Abendbrot mit der Arbeitsgruppe bin ich stets die Einzige, die anschließend nach Hause geht. Es ist hier keine Seltenheit, dass bis mindestens 22 Uhr gearbeitet wird – übrigens auch in der Schule. Über die Effektivität der Arbeit möchte ich hier nicht urteilen. Freizeit ist ein Fremdwort. Ich finde es erschreckend, dass bspw. bei Samsung bis zu 14 h täglich gearbeitet wird. :-o Ob das niemanden stört? Koreaner sind schrecklich höfliche freundliche Menschen, jedoch ohne Blick über den Tellerrand. Die, denen es nicht gefällt, fühlen sich machtlos. Doch die meisten Koreaner fragen selten nach einem Warum.

Freue mich auf den 5. Mai – Kindertag in Korea und damit Feiertag :-)

Nach dem Arbeitsgruppenseminar war die gesamte Gruppe gemeinsam Mittagessen. Der Chef zahlt.