Zum Inhalt springen


Willkommen an Bord - ina auf der MS Wissenschaft


10.Juli 2008

Schwimmwestenland

Weil die wenigsten Koreaner schwimmen können, findet man trotz tropischer Hitze keine wie bei uns reichlichen Freibäder. :-(
Dank koreanischer Hilfe musste ich auf meinen Sonnenbrand dieses Jahr dennoch nicht verzichten: In Gyeongju. Die Koreaner nennen es Wasserpark – eine Art Freibad zu schwindelig hohen Eintrittspreisen (43 Dollar), in dem jedoch jeder Zweite in Shirt und Hose statt Badehose rumläuft und: Badekappenpflicht besteht. :-D
Mit offenem Mund fiel mein erster Blick auf das Wellenschwimmbecken (bei 1 Meter Tiefe kann man eigentlich nicht wirklich von Schwimmen sprechen): Das Wasser war voller blauer und pinkfarbener Schwimmwesten, die mit jeweils einem Koreaner gefüllt auf den Wellen hin- und hertrieben. Keine Minute später ertönte die Trillerpfeife eines Rettungsschwimmers und wir wurden, weil schwimmwestenfrei, des Beckens verwiesen (da für die Westenausleihe noch extra abkassiert wurde, haben wir darauf verzichtet).
Riesigen Spaß hatten wir dennoch: eine Burg aus verschachtelten Rutschen und Röhren, in denen man auf Gummibooten kreischend in die Tiefe rauschen kann. Toll! :-)

19.Juni 2008

Notruf an der POSTECH

Montags 11 Uhr in Korea. Feueralarm? …nur die Schulklingel, begleitet von einer Flut koreanischer Worte hallt durch alle Gänge und Labors. Meine Vorlesung gleicht tatsächlich einer Schulstunde: 20 Mann (oft in Laborbadelatschen) einge- klemmt in solch unbequeme Schreibtischsitzeinheiten, wie man sie aus Ami-Filmen kennt. Der Prof (meist ja kleiner als seine Studis, weil er als Kind nicht so viel Milch und McDonalds-Nahrung bekam ;-) ) auf einem Podest vor der Tafel auf und ab spazierend erklärt mit einer PP-Präsentation und gefährlichem Zeigestock, was die Studenten wissen sollten. Erstaunlicherweise wird die ganze Vorlesung englisch gehalten. Auf Fragen antwortet generell niemand – das würde als unhöflich gelten. Wenn sich doch jemand traut, so auf Koreanisch. Über einen Studi freut der Professor heut ganz besonders: „Ist ja nicht so üblich – aber einmal in drei Jahren eine richtige Antwort ist nicht zuviel verlangt.“ (sinngemäß)

Jenseits der großen Treppe thront der Leitspruch auf dem Campus, der uns den Respekt Älteren und Lehrern gegenüber lehrt, ohne die wir Geister ohne Inhalt und Wert wären.

Kaum zu glauben, dass 70% der koreanischen Schüler den Weg einer akademische Ausbildung gehen. Der Konkurrenzkampf unter den Eltern ist hart und darunter zu leiden haben die Kinder. Es wird nach der Schule in Privatschulen gepaukt bis in die Nacht. Schüler kommen mit vier Stunden Schlaf pro Nacht aus. Wer ohne Studium einen Beruf erlernt, gilt meist als Schmach für die Familie.

Was daraus folgen kann, zeigt die POSTECH als glänzendes Beispiel: Alles und jeder ist starsinnig auf Wissenszuwachs fixiert. Das Engagement ist tot, politisches gar verboten. Dem Individualismus wird der Kampf angesagt. Wer anders ist, kann kein Genie sein. Doch ohne Individualität und Lebenserfahrung außerhalb der grauen Bibliothekswände bleibt die so hoch gelobte Kreativität auf der Strecke…

In den letzten vier Jahren gab es unter den 1300 Studenten an der POSTECH vier Selbstmorde (die bekannt wurden).

14.Juni 2008

Sind Sie aus Deutschland?

Als seit langem wieder die 3. Person Plural an mein Ohr prallte, schrak ich etwas zusammen. Vorletzte Woche hatte unsere Arbeitsgruppe Besuch von Prof. Berek aus Slowakien. Ein weiser betagter Mensch, der nach eigener Aussage besser Deutsch als Englisch spricht, obwohl er nie in D gelebt hat (sondern das meiste aus dem Radio gelernt hat). Sein Vortrag fand traurigerweise – aber wie zu vermuten war – keine freiwilligen Zuhörer. Ich vermisse hier tatsächlich unser chemisches Kolloquium und interessierte koreanische Ohren, es finden keine englischen Vorträge statt, Verteidigungen nur im Heimlichen – man deckt sich lieber im Selbstbeschäftigungstrieb mit Publikationen ein und verdrückt sich ins dunkle Kämmerlein.
Berek meinte etwas belustigt zu mir, er würde seine Studenten für Auslandserfahrungen immer nach Korea schicken statt in die USA – dann würden sie nämlich zweifelsohne wieder nach Hause zurückkehren…